
Dieses Portrait ist das sechste in einer Reihe, welches ich in Seminaren zum Thema Portraitzeichnen, in einer Art Vorführ- und Mitmachaktion, für die Teilnehmer entwickelt habe. Nach Konrad Adenauer, Günter Grass, Mick Jagger, Hermann Hesse und Robert Musil, war es nun Pablo Picasso, welcher den Entwicklungsprozess und Aufwand einer solchen Arbeit allen verdeutlichen sollte. Dieses Mal war ich im tollen Plan A – Atelier Anne Schwabe in Schneverdingen/Lüneburger Heide. Weitere Fotos aus dem Seminar folgen noch. Mein großer Dank geht an alle Teilnehmer, die wie immer mit großen Enthusiasmus bei der Sache waren und natürlich auch an die liebe und sich stets um alle kümmernde Gastgeberin Anne.
Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5408
Format: 841 x 591 mm
Februar 2025

Pablo Picasso: Leben, Werk und die Frage nach dem Spätstil
Pablo Picasso (1881–1973) gilt bis heute als einer der einflussreichsten und produktivsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Name steht nahezu synonym für die Moderne – und für eine revolutionäre Form der künstlerischen Freiheit. Doch neben dem gefeierten Genie gibt es auch die kritischen Stimmen, vor allem mit Blick auf sein Spätwerk. Picassos Leben und Schaffen zeigt, wie eng künstlerische Erneuerung, persönliche Obsessionen und die Fallstricke eines Mythos miteinander verwoben sein können.
Frühe Jahre und künstlerische Entwicklung
Geboren im spanischen Málaga, zeigte Picasso früh außergewöhnliches Talent. Schon als Kind zeichnete er mit technischer Präzision, die selbst erfahrene Maler beeindruckte. Die klassische Ausbildung, die er in Barcelona und Madrid erhielt, führte ihn jedoch schnell an die Grenzen des Konventionellen – und Picasso war kein Künstler, der sich lange in akademischen Schranken hielt. Seine Zeit in Paris ab 1904 führte ihn ins Zentrum der Avantgarde und ließ ihn mit der europäischen Moderne in direkten Kontakt treten.
Seine frühe Schaffensperiode – die sogenannte Blaue und Rosa Periode – zeugt von existenzieller Melancholie, aber auch von der Suche nach einer neuen Formensprache. Bereits hier zeigt sich Picassos Gespür für den Ausdruck des Seelischen in der Verzerrung des Figürlichen. Doch es war der Kubismus, den er gemeinsam mit Georges Braque entwickelte, der Picasso zum Begründer einer radikal neuen Bildauffassung machte. Der Bruch mit der Perspektive, die Zerlegung der Welt in geometrische Fragmente – dies war nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern eine Kampfansage an jede Vorstellung von „natürlicher“ Abbildung. Picasso wurde zur Symbolfigur der modernen Kunst.

Viva Pablo
Bleistift, Farbstift
Wvz. 4822
Format: 569 x 500 mm
Oktober 2012
Politisches und persönliches Engagement
Picasso war nicht nur Künstler, sondern auch ein Mensch, der sich – zumindest phasenweise – mit den politischen Katastrophen seiner Zeit auseinandersetzte. Sein wohl berühmtestes Werk, Guernica (1937), ist ein erschütterndes Manifest gegen die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs und ein Schlüsselwerk politischer Kunst. Dass Picasso in den 1940er-Jahren der Kommunistischen Partei Frankreichs beitrat, war jedoch weniger Ausdruck tiefer ideologischer Überzeugung als vielmehr eine Mischung aus Provokation und Zeitgeist – ein Aspekt, der ihn zeitlebens ambivalent erscheinen ließ.
Die letzten Jahrzehnte: Spätwerk und der Mythos Picasso
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Picasso zunehmend zu einer lebenden Legende – eine Rolle, die er gleichermaßen genoss und kultivierte. Die Spontaneität, die man seinen frühen Arbeiten zugeschrieben hatte, schlug im Alter jedoch oft in eine Manier um, die nicht selten als beliebige Produktion missverstanden wurde. Vor allem das Spätwerk Picassos, das ab den 1960er-Jahren entstand, sorgt bis heute für Kontroversen.
Einerseits beeindruckt die schiere Vitalität: Picasso arbeitete fast bis zu seinem Tod unermüdlich. Doch andererseits zeigte sich gerade in den späten Bildern eine zunehmende Selbstreferenz – eine Rückkehr zu früheren Motiven, jedoch oft ohne die formale Strenge oder emotionale Tiefe, die seine früheren Werke auszeichnete. Die Verspieltheit vieler späten Gemälde wird von einigen als künstlerische Freiheit gefeiert, von anderen jedoch als oberflächliche Reproduktion des eigenen Mythos kritisiert. Das Spätwerk wirkte teils wie ein „Picasso über Picasso“ – ein Künstler, der sich selbst zur Ikone stilisiert, ohne sich noch einmal ernsthaft mit der Welt oder der Kunstgeschichte zu konfrontieren.

Pablo Picasso
Bleistift, Aquarell, Tusche
Wvz. 4276
Format: 500 x 290 mm
Januar 2008
Zwischen Genie und Manierismus
Diese Ambivalenz prägt bis heute die Rezeption Picassos. War er ein ruheloses Genie, das bis ins hohe Alter die Grenzen der Kunst verschob? Oder wurde er im Alter zu einer Art Unternehmer der eigenen Marke, der seine Signatur mehr ausstellte als tatsächlich Neues schuf? Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Unbestreitbar bleibt jedoch, dass Picasso wie kaum ein anderer Künstler die Kunst des 20. Jahrhunderts geprägt hat – mit all ihren Widersprüchen und Brüchen.
Fazit
Pablo Picasso war ein Künstler von überbordender Schaffenskraft, ein Provokateur, ein Bilderzertrümmerer und Bilderschöpfer zugleich. Sein Früh- und Hauptwerk revolutionierte die Kunstwelt, sein Spätwerk bleibt ein zwiespältiges Vermächtnis – zwischen künstlerischer Altersfreude und der Gefahr des Selbstzitats. Doch gerade diese Unschärfe macht Picasso auch heute noch zu einer Figur, an der sich die Kunstgeschichte reibt – und reiben muss. Denn ein Genie, das nur gefeiert wird, ist kein lebendiges Genie mehr.

Pablo Picasso
Federzeichnung, Farbstift, Aquarell
350 x 210 mm
Dvz. 898
25.04.2018