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Bertrand Russell – Der Unbequeme

Bertrand Russell (1872-1970), Mathematiker und Begründer der analytischen Philosophie, war ein Mensch, der das Denken liebte – aber nicht um des Denkens willen. Für ihn war es keine trockene Übung, keine akademische Disziplin, die in Bibliotheken verstauben durfte. Denken war ein Werkzeug, um die Welt zu verstehen, um sie zu verbessern, um den Menschen zu helfen, weniger zu leiden und mehr zu leben.

Er wurde 1872 geboren, in eine Welt, die geprägt war von Hierarchie, Starrheit und Tradition. Doch von Anfang an war er ein Außenseiter. Nicht, weil er sich in dieser Rolle wohl fühlte, sondern weil er einfach nicht anders konnte, als zu fragen: Warum? Warum glauben wir an Gott? Warum führen wir Krieg? Warum akzeptieren wir Ungerechtigkeit? Und immer wieder: Muss das so sein? Russell fand seine Antworten in der Logik, in der Mathematik, in der Philosophie – aber er fand auch Grenzen. Die reine Vernunft, so scharf sie auch sein mochte, konnte das Leben nicht vollständig erklären. Es gab da etwas, das sich nicht berechnen ließ: Glück, Liebe, Angst, Sehnsucht. Und so schrieb er nicht nur über Mengenlehre und Paradoxa, sondern auch über Ethik, Politik, über das, was ein gutes Leben ausmacht.

Er war unbequem. Ein Mann, der nie dort stehen blieb, wo man ihn haben wollte. Er kämpfte gegen den Ersten Weltkrieg und verlor seinen Posten in Cambridge. Er warnte vor dem Faschismus, als viele noch dachten, Hitler wäre ein nützliches Gegengewicht zum Kommunismus. Und als die Welt nach 1945 in den Kalten Krieg schlitterte, setzte er sich – alt, berühmt und längst ein Symbol – an die Spitze der Anti-Atombewegung. Nicht, weil er noch etwas beweisen musste, sondern weil er glaubte, dass man niemals aufhören darf, sich einzumischen.

Bertrand Russell starb 1970 im überaus stattlichen Alter von 97 Jahren, doch seine Fragen bleiben. Sein Mut, laut zu denken, wo andere schwiegen, bleibt. Und vielleicht ist das die größte Inspiration, die er hinterlassen hat: die Weigerung, sich mit einfachen Antworten zufriedenzugeben – und die Hoffnung, dass die Vernunft, wenn wir sie nur nutzen, die Welt tatsächlich ein Stück besser machen kann.

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5410
Format: 500 x 310 mm
März 2025